Schwanger nach Fehlgeburt – zwischen unbändiger Freude und großer Angst
Ich weiß noch genau, wie ich diesen Schwangerschaftstest gemacht habe.
Eigentlich wollte mein Mann, dass wir auf den Bluttest warten. Ich nicht.
Also bin ich heimlich ins Bad geschlichen, damit er mir den Test nicht ausreden konnte. Ich habe tief durchgeatmet und ihn gemacht.
Und dann habe ich viel zu früh hingesehen.
Negativ.
Zumindest dachte ich das.
Ich war sofort wieder traurig. Nach zwei Fehlgeburten und drei Transfers, die nicht geklappt hatten, hatte ich mich innerlich schon darauf vorbereitet – soweit man sich auf so etwas überhaupt vorbereiten kann – dass es wieder nicht funktioniert hatte.
Ich hatte sogar schon einen Plan B.
Wenn es diesmal wieder nicht klappt, dachte ich mir, mache ich eine vierwöchige Yogalehrerinnen-Ausbildung auf Bali. Nicht, weil Bali meinen Kinderwunsch ersetzt hätte. Natürlich nicht. Aber ich brauchte irgendetwas, auf das ich mich freuen konnte, falls ich wieder nicht schwanger sein sollte.
Also machte ich mir erst einmal einen Kaffee.
Und irgendwann ging ich doch noch einmal zurück ins Badezimmer.
Denn Hoffnung ist in dieser Zeit ein ziemlich hartnäckiges Ding.
Und tatsächlich war da plötzlich diese Linie.
Ganz dünn.
Fast unscheinbar.
Aber sie war da.
Die Bestätigung: Ich bin schwanger.
Ich bin sofort zu meinem Mann gelaufen und habe ihn geweckt.
Er hat sich unglaublich gefreut.
Und gleichzeitig waren da Zweifel.
Bei ihm. Und bei mir.
Denn nach zwei Fehlgeburten fühlt sich ein positiver Schwangerschaftstest anders an.
Die Freude war da. Aber die Unbeschwertheit nicht mehr.
Bei meiner ersten Schwangerschaft hatte ich dieses Gefühl noch nicht.
Nach den Verlusten war es von Anfang an anders.
Natürlich habe ich mich gefreut. Sehr sogar.
Aber ziemlich direkt neben dieser Freude stand die Angst.
Ich schwankte ständig zwischen unbändiger Freude und furchtbarer Angst.
Vielleicht kennst du genau dieses Gefühl.
Einen Moment lang denkst du:
„Mein Gott, ich bin wirklich schwanger!“
Und kurz darauf:
„Was, wenn es wieder passiert?“
Ein Verlust verändert das Wissen, mit dem man in eine weitere Schwangerschaft geht.
Man weiß plötzlich, dass ein positiver Test nicht automatisch bedeutet, dass neun Monate später ein Baby in den Armen liegt.
Dieses Wissen kann man nicht einfach wieder vergessen.
Ein bisschen Blut – und mir rutschte das Herz in die Hose
Ich hatte während meiner Schwangerschaft einmal Blut am Toilettenpapier.
Wahrscheinlich hatte ich mich einfach aufgekratzt. Es war keine richtige Blutung und es war auch sofort wieder vorbei.
Rational betrachtet also nichts Dramatisches.
Mein Körper hat das allerdings völlig anders gesehen.
Mir ist das Herz in die Hose gerutscht.
In solchen Momenten ist die Vergangenheit plötzlich wieder ganz nah.
Der Kopf braucht vielleicht ein paar Sekunden, um einzuordnen, was gerade passiert. Die Angst braucht diese Sekunden nicht.
Sie ist sofort da.
Besonders schwierig fand ich die Zeit zwischen der 12. und 16. Woche
Man spricht so oft von der zwölften Schwangerschaftswoche wie von einer magischen Grenze.
Als müsste danach plötzlich alles leichter werden.
Bei mir war das nicht so.
Gerade die Zeit ungefähr zwischen der 12. und 16. Woche fand ich sehr angespannt.
Viele Schwangerschaftssymptome wurden langsam weniger.
Gleichzeitig konnte ich meine Tochter noch nicht regelmäßig spüren.
Da entstand für mich eine Art Zwischenraum.
Vorher waren da Symptome, die mir gezeigt haben: Mein Körper macht gerade etwas.
Später waren da die Bewegungen meiner Tochter.
Aber dazwischen?
Da musste ich vertrauen.
Und Vertrauen ist nach einem Verlust manchmal verdammt schwierig.
Ab ungefähr der 16. Woche wurde es für mich leichter, weil ich meine Tochter regelmäßig spüren konnte.
Sie war ein sehr aktives Baby.
Immer wenn sie sich bewegte, war das für mich ein kleines:
„Ich bin da.“
Und damit kam Stück für Stück mehr Sicherheit.
Vor jedem Ultraschall hatte ich Angst
Ultraschalltermine waren für mich keine entspannten Termine.
Schon vorher war die Angst riesig.
Meine Ärztin hat irgendwann aufgehört, direkt vor der Untersuchung meinen Blutdruck zu messen.
Sie meinte sinngemäß: Das sei sowieso sinnlos.
Und sie hatte recht.
Mein Körper war vor diesen Untersuchungen teilweise so angespannt, dass es mir wirklich nicht gut ging.
Man wartet darauf, dass jemand den Ultraschall einschaltet.
Man schaut auf diesen Bildschirm.
Und in diesen wenigen Sekunden scheint unglaublich viel zu passieren.
Bis man etwas sieht.
Bis man vielleicht den Herzschlag erkennt.
Bis jemand sagt:
„Es sieht alles gut aus.“
Und natürlich war ich danach erleichtert.
Aber nach einer Fehlgeburt hält diese Erleichterung nicht automatisch bis zum nächsten Termin.
Ich habe mich trotzdem vollkommen auf mein Baby eingelassen
Es gibt Frauen, die sich nach einem Verlust emotional zurückhalten.
Die sich nicht zu früh freuen möchten.
Die vielleicht noch nichts kaufen wollen oder versuchen, noch keine zu starke Verbindung zum Baby aufzubauen.
Ich verstehe das vollkommen.
Bei mir war es anders.
Ich habe mich vom ersten Moment an komplett auf mein Baby eingelassen.
Ich habe mich mit ihr verbunden.
Ich habe mich auf sie gefreut.
Denn für mich war irgendwann klar:
Ich kann mich vor dem Schmerz eines möglichen Verlustes sowieso nicht schützen.
Wenn ich dieses Baby verlieren sollte, würde es wehtun.
Egal, ob ich mich vorher gefreut habe oder nicht.
Egal, ob ich schon mit meinem Baby gesprochen habe oder nicht.
Egal, ob ich mir erlaubt habe, mir eine Zukunft vorzustellen oder nicht.
Also wollte ich die Zeit, in der ich schwanger war, auch wirklich erleben.
Mit Angst.
Aber eben auch mit Liebe.
Was ich heute anders machen würde
Eine Sache bereue ich bis heute.
Ich habe meine Schwangerschaft vor der 12. Woche kaum jemandem erzählt.
Die Angst war einfach zu groß.
Und diese gesellschaftliche Regel, dass man eine Schwangerschaft erst nach zwölf Wochen erzählen sollte, finde ich heute schwierig.
Natürlich darf jede Frau selbst entscheiden, wann und wem sie von ihrer Schwangerschaft erzählen möchte.
Für mich persönlich würde ich es heute anders machen.
Denn dadurch, dass kaum jemand davon wusste, war ich mit meiner Angst auch viel allein.
Und genau dann hätte ich Menschen gebraucht.
Menschen, die sich mit mir freuen.
Menschen, die meine Angst aushalten.
Und auch Menschen, die für mich da gewesen wären, wenn die Schwangerschaft wieder nicht geblieben wäre.
Warum sollen wir eine Schwangerschaft ausgerechnet in jener Zeit geheim halten, in der wir im schlimmsten Fall besonders viel Unterstützung brauchen könnten?
Ich würde es heute erzählen.
Nicht jedem Menschen auf dieser Welt.
Aber den Menschen, von denen ich möchte, dass sie mich auffangen, wenn ich falle.
Das Beste, was ich gemacht habe: Unterstützung holen
Was mir während des Kinderwunsches und auch in dieser Schwangerschaft besonders geholfen hat, war psychologische Unterstützung.
Rückblickend war das eines der besten Dinge, die ich für mich machen konnte.
Nicht erst dann, als es gar nicht mehr ging.
Sondern während dieses gesamten Weges.
Kinderwunsch, Behandlungen, Hoffen, Verluste, neue Hoffnung, Schwangerschaft.
Das alles kann unglaublich viel sein.
Und ich glaube heute sehr daran, dass man das nicht alleine tragen muss.
Unterstützung kann ganz unterschiedlich aussehen.
Psychologische Begleitung.
Eine Kinderwunschbegleitung.
Eine Freundin.
Der Partner oder die Partnerin.
Familie.
Eine Gruppe.
Entscheidend ist nicht, wie dieses Netzwerk aussieht.
Entscheidend ist, dass eines da ist.
Menschen, die mit dir glücklich sein können.
Und die auch neben dir sitzen können, wenn du gerade Angst hast.
Was ich dir heute sagen würde
Wenn du nach einem Verlust wieder schwanger bist und Angst hast, dass es wieder passiert, würde ich dir gerne etwas versprechen.
Ich würde dir gerne sagen:
„Diesmal geht alles gut.“
Aber das kann ich nicht.
Und ich glaube auch nicht, dass falsche Versprechen das sind, was wir in dieser Situation brauchen.
Was ich dir aber sagen kann:
Gerade jetzt bist du schwanger.
In diesem Moment.
Heute.
Und das darf wundervoll sein.
Du musst nicht die nächsten neun Monate auf einmal schaffen.
Du musst heute nicht wissen, wie du den nächsten Ultraschall überstehst.
Du musst auch nicht plötzlich wieder vollkommen vertrauen.
Vielleicht reicht es für heute zu sagen:
Heute ist mein Baby bei mir.
Und vielleicht darf neben der Angst auch ein kleines bisschen Freude sitzen.
Nicht weil du weißt, wie diese Geschichte ausgehen wird.
Sondern weil dieser Moment jetzt gerade da ist.
Und bitte erlaube dir Unterstützung.
Du musst diese Angst nicht alleine tragen.
Such dir Menschen, die dich auffangen.
Die sich mit dir freuen.
Die deine Sorgen ernst nehmen.
Die nicht sofort versuchen, deine Angst wegzureden.
Menschen, bei denen beides Platz haben darf:
Deine Hoffnung und deine Angst.
Denn genau so kann sich eine Schwangerschaft nach Verlust anfühlen.
Nicht nur glücklich.
Nicht nur ängstlich.
Sondern manchmal beides gleichzeitig.
Und vielleicht geht es gar nicht darum, eine Schwangerschaft nach Verlust völlig angstfrei zu erleben.
Vielleicht geht es darum, dass die Angst nicht jeden einzelnen schönen Moment bekommt.
Wenn du dir Begleitung für diese Schwangerschaft wünschst
Nach einem Verlust wieder schwanger zu sein, kann wunderschön und gleichzeitig unglaublich anstrengend sein.
Vielleicht möchtest du dich freuen, aber die Angst funkt immer wieder dazwischen. Vielleicht merkst du, dass du vor Untersuchungen besonders angespannt bist oder dass du dich nach mehr Sicherheit, Ruhe und Verbindung zu deinem Baby sehnst.
Genau für diese Zeit entsteht bei Hoffnungsflattern eine Begleitung für Frauen, die nach einer Fehlgeburt oder einem anderen frühen Verlust wieder schwanger sind.
Mit Impulsen, Meditationen, Atemübungen und sanfter Körperarbeit möchte ich dir Möglichkeiten geben, immer wieder aus der Angst zurück ins Hier und Jetzt zu finden.
Nicht mit dem Versprechen, dass du danach nie wieder Angst haben wirst.
Sondern mit einem Raum, in dem Angst, Hoffnung, Freude und die Verbindung zu deinem Baby gleichzeitig da sein dürfen.
Du musst diese Schwangerschaft nicht alleine tragen.

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